Bauphysikalische Voraussetzungen
Bauphysikalischen Maßnahmen, die für den Ausbau eines Dachgeschosses zu Aufenthaltsräumen bzw. zu Wohnungen berücksichtigt werden müssen. Damit die gestellten Anforderungen erfüllt werden, gelten folgende Vorschriften:

DIN 4108 "Wärmeschutz im Hochbau" Energiesparverordnung EnEV vom 1. Februar 2002

Überblick über die Anforderungen der Energieeinsparverordnung im Baubestand

Bedingte Anforderungen
Für den Gebäudebestand gibt es so genannte bedingte Anforderungen. Sie greifen dann, wenn das Bauteil ohnehin verändert wird. Unter dieser Voraussetzung wird dann dem Wirtschaftlichkeitsgebot des Energieeinspargesetzes entsprochen.

Im Zusammenhang mit Baumaßnahmen, die ohnehin erforderlich werden, soll dann die energetische Qualität der Bauteile angepasst werden. Bei den geforderten Kennwerten ist zu beachten, dass der U-Wert nach der europäischen Normung zu berechnen ist (DIN EN ISO 6946 "Bauteile - Wärmedurchlasswiderstand und
Wärmedurchgangskoeffizient, Berechnungsverfahren").

Die bedingten Anforderungen sind auch erfüllt, wenn das gesamte Gebäude die geforderten Höchstwerte für den Neubau um nicht mehr als 40 % überschreitet. (EnEV § 8 Änderungen an Gebäuden).

Bagatellregelung
Für den Gebäudebestand gelten die Anforderungswerte der EnEV, wenn ein Bauteil zu mindestens 20% der Fläche gleicher Orientierung saniert wird. Bei der Erweiterung des beheizten Gebäudevolumens um zusammenhängende 30 m³ gelten für den Erweiterungsteil die Vorschriften für den Neubau. Dies trifft z.B. bei Dachgeschossausbauten meist zu.
(EnEV § 8 Änderungen an Gebäuden)

Tabelle: Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten für Gebäude mit normalen Innentemperaturen bei erstmaligem Einbau, Ersatz und Erneuerung von Bauteilen (Auszug der Tabelle 1 aus dem Anhang der EnEV)

Nachrüstverpflichtungen
Die Nachrüstverpflichtungen werden im Gegensatz zu den bedingten Anforderungen fällig, ohne dass Baumaßnahmen durchgeführt werden:
- Austausch von Heizkesseln, die vor dem 1.10.1978 eingebaut wurden (Größe 4 bis 400 kW)
- Dämmung von zugänglichen Wärmeverteilungs- und Warmwasserleitungen
- Dämmung der obersten Geschossdecke, sofern sie zugänglich, aber nicht begehbar ist
Hier gelten besondere Fristen, innerhalb derer die Modernisierungen durchzuführen sind. In der Regel läuft die Frist bis zum 31.12.2006. Bei selbst genutzten Ein- und Zweifamilienhäusern wird die Nachrüstverpflichtung erst zwei Jahre nach einem Eigentümerwechsel wirksam.
(EnEV § 9 Nachrüstung bei Anlagen und Gebäuden)

Aufrechterhaltung der energetischen Qualität
Bei allen Maßnahmen im Bestand darf die energetische Qualität nicht verschlechtert werden. Hierzu gehört auch, dass Heizungs- und Warmwasseranlagen sachgerecht bedient, gewartet und instand gehalten werden müssen. Energiebedarfssenkende Einrichtungen müssen ebenfalls betriebsbereit gehalten werden.
(EnEV § 10 Aufrechterhaltung der energetischen Qualität)

Heizungs- und Warmwasseranlagen
Heizkessel müssen i.d.R. ein CE-Zeichen tragen. Zur Nachrüstung der Heizanlage gehören auch selbsttätig wirkende Einrichtungen zur zeitabhängigen und witterungsgeführten Regelung - inklusive einer raumweisen Regelung der Raumtemperatur (z.B. durch Thermostatventile). Zirkulationspumpen müssen selbsttätig ein- und ausschaltbar sein. (EnEV Abschnitt 4 Heizungstechnische Anlagen, Warmwasseranlagen)

Energiebedarfsausweis
Wie bereits in der Wärmeschutzverordnung 1995 ist auch in der EnEV ein Zwang zur Ausstellung eines Energiepasses enthalten. Dieser heißt nun Energiebedarfsausweis. Käufern, Mietern und Behörden ist der Energiebedarfsausweis auf Anforderung zur Einsichtnahme zugänglich zu machen.

Er wird ausgestellt für
- alle Neubauten,
- für Altbauten, wenn innerhalb eines Jahres mindestens drei Dämmmaßnahmen inkl. Heizungserneuerung umgesetzt werden und eine Energiebilanz errechnet wurde und
- für die Erweiterung des beheizten Gebäudevolumens um mindestens 50 Prozent.

Im Ausweis sollen mindestens genannt werden
- der spezifische Transmissionswärmeverlust,
- der spezifische Endenergiebedarf,
- der spezifische Primärenergiebedarf,
- die Anlagenaufwandszahlen und
- der eingesetzte Energieträger

Im Verfahren wird z. B. in Nordrhein-Westfalen durch die Verordnung zur Umsetzung der Energieeinsparverordnung vom 31.Mai 2002 eine Verschärfung vorgenommen. Verantwortlich handeln muss der Bauherr.

(EnEV § 13 Ausweise über Energie- und Wärmebedarf, Energieverbrauchskennwerte)

Ausnahmen und Befreiungen von der EnEV
Keine Verordnung kann die Vielfältigkeit der Praxis abdecken. Auf Antrag können daher die nach Landesrecht zuständigen Behörden Ausnahmen von der EnEV zulassen. Dies betrifft Baudenkmäler oder sonstige erhaltenswerte Bausubstanz. Befreiungen können dann gewährt werden, wenn die Einhaltung zu der EnEV zu solch hohen Aufwendungen führt, dass diese bei bestehenden Gebäuden innerhalb angemessener Frist durch Einsparungen nicht erwirtschaftet werden können.
(EnEV § 16 Ausnahmen und 17 Befreiungen)

Die Anforderungen an den Bestand im Überblick