Produktdatenblatt Dachziegel (Stand Juli 2000)

1. Geltungsbereich
Dieses Produktdatenblatt gilt für Dachziegel (Flächenziegel) und Formziegel (Zubehörziegel).
 
 
 
2. Begriffe
Dachziegel sind flächige oder profilierte grobkeramische Bauelemente in individuellen Abmessungen für Dacheindeckungen und Außenwandbekleidungen.

Die aus tonigen Massen geformten Dachziegel werden nach dem Herstellungsverfahren unterschieden in:

• Strangdachziegel
(Formgebung durch Strangpresse) oder

• Pressdachziegel
(Formgebung durch Stempelpresse).
Verfalzung Oberseite +
Verfalzung Unterseite =
Ringverfalzung

Die Ringverfalzung bei den Pressdachziegeln ergibt sich beim Eindecken durch die Falze auf der Ober- und Unterseite.
 
 
Dachziegel
  Strangdachziegel (Formgebung durch Strangpresse)
  ohne Falz
  Biberschwanzdachziegel
  Hohlpfanne
  mit Falz (im seitlichen Überdeckungsbereich)
  Strangfalzziegel u. ä.
  Pressdachziegel (Formgebung durch Strangpresse)
  ohne Falz
  Mönch und Nonne-Dachziegel
  Krempziegel
  mit Falz (im Überdeckungsbereich: Kopf- und Seitenverfalzung)
  Falzziegel
    (Doppelmuldenfalzziegel, Reformpfanne u.ä.)
  Flachdachziegel
  Verschiebeziegel
 
 

Beispiel: Unterbrochene
einfache Ringverfalzung


Beispiel: Mehrfache
Ringverfalzung

Vier-Ziegel-Eck

Das Vier-Ziegel-Eck ist der Bereich des Kreuzungspunktes der vier benachbarten Ziegel innerhalb der Deckung.

Bei den meisten Deckungsarten,
insbesondere bei Falzziegeldeckungen überdecken sich alle vier Ziegel
in vier Ebenen = Prinzip A.



Bei der Vorschnittdeckung
im Hohlpfannendach und einigen
anderen Falzziegeldeckungen
überdecken sich vier Ziegel
in drei drei Ebenen = Prinzip B.



Schematische Darstellung




Beispiel: Vier-Eck-Ziegel bei der Deckung mit Flachdachziegeln (gerade Krempe)



Beispiel: Vier-Eck-Ziegel bei der Deckung mit Flachdachziegeln (konische Krempe)



Vier-Eck-Ziegel bei der Aufschnittdeckung (Kurzschnittziegel, Hohlpfanne)
 
 
 

Vier-Eck-Ziegel bei der Vorschnittdeckung (Langschnittziegel, Hohlpfanne)
 
 
 


3. Herstellung

Die Dachziegelherstellung beginnt mit der Gewinnung von natürlichen Rohstoffen, deren Entnahmeflächen nach ökologischen Gesichtspunkten rekultiviert werden. Nach sorgfältiger Aufbereitung der wertvollen Tone, die ausreichend vorhanden sind, erfolgt die Formgebung und die Trocknung.

Beispiel: Doppelt verfalzte Seitenfalz

Beispiel: Einfach verfalzte Seitenfalz





Verschiebedachziegel

Der anschließende Brennprozeß wird unter effizienter Ausnutzung der Energie durchgeführt, deren Wärmerückgewinnungspotential wieder dem Trocknungsprozeß zugute kommt.
Je nach Tonvorkommen und Brenntechnik entstehen unterschiedliche, jedoch größtenteils rote, manchmal auch braune oder gelbe, Brennfarben. Hiervon abweichende andere Farbgebungen können durch Engobieren, Glasieren oder Dämpfen erzeugt werden. Möglich ist auch ein Durchfärben des Rohstoffs z. B. mit Manganerz. Diese Verfahren beeinträchtigen nicht die Beständigkeit des Materials.
Für in Deutschland handgeformte oder teilweise handgeformte Dachziegel gilt das Produktdatenblatt sinngemäß.
 
 
 
 
4. Anforderungen

4.1 Allgemein

Ein nach den Anforderungen dieses Produktdatenblattes und den entsprechenden Fachregeln hergestelltes Ziegeldach ist regensicher. Die Dachziegel müssen der europäischen Produktnorm für Dachziegel DIN EN 1304 "Dachziegel für überlappende Verlegung", Juli 2000 und späteren Ausgaben, entsprechen.
Die Anforderungen sind auf der Grundlage nachstehender Normen zu überprüfen:

- DIN EN 538 Prüfung der Biegetragfähigkeit 1994-11,
- DIN EN 539-1 Prüfung der Wasserundurchlässigkeit 1994-11,
- DIN EN 539-2 Prüfung der Frostwiderstandsfähigkeit 1998-07,
- DIN EN 1024 Bestimmung der geometrischen Kennwerte 1997-06.

Dachziegel sind gegen UV-Strahlen und Säuren resistent. Dachziegel gelten imZusammenhang mit dem Brandschutz als sogenannte "harte Bedachung" und verhindern bzw. verzögern eine Brandübertragung auf das Gebäudeinnere. Geringe fertigungsbedingte Farbunterschiede sind zulässig.



Art der Anforderung Festlegung durch
Konformitäts- und Güteüberwachung DIN EN 1304
Frostwiderstandsfähigkeit DIN EN 539-2
Wasserundurchlässigkeit DIN EN 539-1
Biegetragfähigkeit DIN EN 538
Bestimmung der geometrischen Kennwerte DIN EN 1024
Kennzeichnung DIN EN 1304
Anforderungen an Struktur und Oberfläche DIN EN 1304
Zusätzliche Anforderungen / Eigenschaften
Nicht brennbar Spezifische Materialeigenschaft
Säurebeständigkeit Spezifische Materialeigenschaft
UV-Beständigkeit Spezifische Materialeigenschaft
 
 
 
4.2 Geometrische Eigenschaften

Geometrische Eigenschaften
gemäß DIN EN 1024
Toleranz
Gleichmäßigkeit der Form Ebenheit der Flachziegel, Falzziegel, Strangfalzziegel und Hohlpfannen,
Dachziegelgesamtlänge
300 mm
300 mm
1,5 %
2,0 %
Gleichförmigkeit der Querprofile
von Mönch und Nonnen-Dachziegel
Messung der Ziegelbreite am engen und weiten Ende,
Abweichungen zwischen kleinsten und größsten gemeinsamen Werten
am jeweiligen Ende
15 mm
Geradlinigkeit Falzziegel, Strangfalzziegel, Hohlpfannen, Mönch und Nonnen-Dachziegel,
Mittelwert der Gradlinigkeit in Längsrichtung
Dachziegelgesamtlänge
300 mm
300 mm
1,5 %
2,0 %
Flachziegel (Biberschwanzziegel)
deklarierte Länge
300 mm
300 mm
1,5 %
2,0 %


Abmessungstoleranz alle Dachziegel, Ausnahme Mönch und Nonne-Dachziegel

Mittelwerte für Länge und Breite,
Abweichung bezogen auf Herstellerangabe
2,0 %
Mittleres Deckmaß,
Abweichung bezogen auf Herstellerangabe
2,0 %
Variable Decklänge/Deckbreite,
Abweichung bezogen auf Herstellerangabe
jeweils
max. 2,0 %
 
 
 
4.3 Physikalische und mechanische Eigenschaften
Wasserundurchlässigkeit gemäß DIN EN 539-1 1

Wasserundurchlässigkeit Toleranz
cm3/cm2/Tag

Anforderungsstufe 1 (höchste Anforderungsstufe)
 
Prüfverfahren 1

Mittelwert des Undurchlässigkeitsfaktors
Einzelwerte
0,5
0,6
Prüfverfahren 2

Mittelwert des Undurchlässigkeitsfaktors
Einzelwerte
0,8
0,85
1 Die verschiedenen, aufgeführten physikalischen oder mechanischen Kennwerte sind voneinander unabhängig; so bedeutet beispielsweise eine bei einem Dachziegel gemessene hohe Wasserdurchlässigkeit nicht ohne weiteres, daß dieser eine geringe Frostbeständigkeit aufweist, und umgekehrt.
 
 
Biegetragfähigkeit gemäß DIN EN 538

Flachziegel (Biberschwanzziegel)
600 N
Falzziegel mit ebener Sichtfläche
900 N
Mönch und Nonnen-Dachziegel
1000 N
alle übrigen Dachziegel
1200 N
 
 
 
Frostwiderstandsfähigkeit gemäß DIN EN 539-2 1

Prüfverfahren B für die Zone B
(Dänemark, Deutschland, Österreich, Finnland, Island, Norwegen, Schweden, Schweiz und die Tschechische Republik)
 
Vorbehandlung Frostwiderstandsfähigkeit
Wasserlagerung und Berieselung
einseitige Befeuchtung
min. 150 Frost-/Tau-Wechsel

1 Die verschiedenen, aufgeführten physikalischen oder mechanischen Kennwerte sind voneinander unabhängig; so bedeutet beispielsweise eine bei einem Dachziegel gemessene hohe Wasserdurchlässigkeit nicht ohne weiteres, daß dieser eine geringe Frostbeständigkeit aufweist, und umgekehrt.
 
 
 
4.4 Struktur und Oberfläche des Dachziegels – Toleranzen

Grundlage für die Toleranzbestimmung ist ein gebrauchsüblicher Betrachtungsabstand
(6 bis 10 m außerhalb der Dachfläche). Alle aufgeführten Merkmale schränken die Gebrauchsfähigkeit des Dachziegels in der angegebenen Toleranz nicht ein.

 
Art Beschreibung
Oberflächenbesonderheiten Rillen, Reliefwirkungen,
Farbflecken, Falten usw.
Haarrisse Risse, welche nur die Oberfläche bei naturroten, engobierten und glasierten Dachziegeln betreffen, oder die Haftung der Engobe und der Glasur am Scherben nicht beeinträchtigen.
Blasen Örtliche, oberflächliche Erhebungen des Werkstoffes, welche bei der Fertigung entstehen und eine mittlere Abmessung bis 10 mm aufweisen.
Krater Verlust an Werkstoff, oftmals wegen der Ausdehnung eines Kornes (z. B. aus Kalk oder Pyrit) in einer mittleren Abmessung bis 7 mm auf dem im Einbauzustand sichtbaren Bereich des Dachziegels.
Splitter Ablösung eines Teils des Werkstoffes vom Scherben, in einer mittleren Abmessung bis 7 mm auf dem im Einbauzustand sichtbaren Bereich des Dachziegels.

Zu unterscheiden sind:

- Eckabsplitterung:
Absplitterung an einer Ecke des Ziegels,

- Längssplitter:
Splitter, welcher entweder die Falzrillen oder andere refliefartige Bereiche des Dachziegels betreffen.

Schleierbildung Vorrübergehende Ausblühungen, die allmählich durch Niederschlag entfernt werden.
Farbnuancen Farbnuancen in ein- und demselben Los, welche für die Gesamtheit einer Lieferung typisch und absichtlich aus ästhetischen Gründen hervorgerufen worden sind, sind zulässig.

Bei einfarbigen Dachziegeln sind Nuancen zulässig, welche sich aus dem spezifischen keramischen Verfahren ergeben.
Kratzer,
Reibungsspuren
Herstellungs- bzw. transportbedingt
Falten Bedingt durch Preßvorgang
 
 
 
 
 
5. Kennzeichnung
Mindestens 50 % aller Dachziegel müssen mit einer unauslöschlichen und lesbaren Bezeichnung (kodiert oder im Klartext) zur Identifikation der folgenden Angaben versehen sein:

- Hersteller und (wahlweise) Produkttyp,
- Herkunftsland,
- Jahr und Monat der Fabrikation.

Die Begleitdokumente einer Lieferung müssen enthalten: Bezugnahme auf die DIN EN 1304, erreichte Anforderungstufe 1 der Wasserundurchlässigkeit nach DIN EN 539-1 und die bestandene Prüfung der Frostwiderstandsfähigkeit nach Verfahren B DIN EN 539-2.

Die Datenblätter (Herstellerangaben) zur Beschreibung des jeweiligen Produktes müssen außerdem dessen Abmessungen enthalten.
 
 
 
 
6. Güteüberwachung
Dachziegel unterliegen der Güteüberwachung durch Materialprüfungseinrichtungen
und der Eigenüberwachung/Qualitätskontrolle der Hersteller.

Der Nachweis der Konformität muß:
- eine Typprüfung (Erstprüfung) und
- eine Qualitätskontrolle
umfassen.

Konformität mit der DIN EN 1304 ist nachgewiesen, wenn die Prüfungen als Typprüfungen nach Anhang A der DIN EN 1304 durchgeführt wurden und die Resultate zeigen, daß die Anforderungen dieser Norm erfüllt sind.

Konformität mit der DIN EN 1304 ist nachgewiesen, wenn die Resultate der Qualitätskontrolle durch den Hersteller zeigen, daß die im Anhang A dieser Norm festgehaltenen Qualitätsanforderungen erfüllt sind.

Gegenüber den Anforderungen der DIN EN 1304 sind Dachziegel für die Anwendung in Deutschland bei der Erstprüfung zusätzlich zur Eigenüberwachung durch zugelassene Prüfeinrichtungen zu prüfen. Mindestens einmal pro Jahr ist neben der Eigenüberwachung im Zuge der Qualitätskontrolle auch eine Fremdüberwachung am Flächenziegel durchzuführen. Die Anforderungen gelten als erfüllt bei Einhaltung der Prüfkriterien, z. B. gemäß "ORIGINAL Dachziegel"-Zertifikat.

In beiden Fällen ist die Probenentnahme Bestandteil der Fremdüberwachung.

Die Qualitätskontrolle erfolgt:
- entweder als umfassende Prüfung der fertigen Produkt oder
- durch Prüfung der Rohmaterialien und durch eine Produktionskontrolle.

Anmerkung: Die Konformität mit den Qualitätsanforderungen kann mit einem System der Probenentnahme und statistischer Auswertung erfolgen oder mit einem gleichwertigen Verfahren. Der Hersteller kann ein Qualitäts-Management-System nach der Reihe DIN EN ISO 9000 anwenden.
 
 
 
 
7. Garantie
Eine Garantieerklärung muß beim ZVDH hinterlegt sein.
 
 
 
 
 
8. Recycling
Gebrauchte, unbeschädigte Dachziegel können bei Eignung in der Sanierung zum Einsatz kommen.
Dachziegel sind grundsätzlich recyclebar und im Wirtschaftskreislauf ein wertvoller Rohstoff.
 
 
 
 
 
Download: Produktdatenblatt Dachziegel (Stand Juli 2000)

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