Gestaltungshinweise


Gauben im Ziegeldach

Ursprünglich zur Belüftung des Dachraumes gedacht, entwickelten sich Dachgauben zu wichtigen Gestaltungselementen zur Auflockerung der Dachfläche. Erst später wurden hieraus Belichtungselemente, die eine weitergehende Nutzung des Dachraumes gestatteten. Heute sind Dachgauben im Zusammenhang mit dem Dachgeschossausbau wichtige Belichtungsmittel, die die Belichtungszonen der Giebel ergänzen. Im Laufe ihrer Entwicklung haben sich, teilweise auch regional unterschiedlich, besondere Formen, Proportionen, Gestaltungsgrundsätze und Ausbildungen der Randan- und abschlüsse entwickelt. Die Abb. 1 zeigt in nicht vollständiger Form eine Entwicklung der Dachgauben bis heute. Die Zeichnungen 1 und 2 stehen für die Entlüftung der Dachfläche als Ausgangsmotiv, Öffnungen in die geschlossene Dachfläche einzuschneiden. Lange horizontale Schleppgauben, teilweise übereinander gestaffelt, sind heute noch überall dort zu sehen, wo früher Obst gedörrt oder andere Güter in den Dachböden zum Trocknen aufbewahrt wurden. Schleppgauben (3), Ochsenaugen (Oculi), Fledermausgauben (4) waren entsprechende Weiterentwicklungen. „Dachhäuschen“ als Sattel-, Walm- und Giebelgaube (5 und 6) waren Formen, die sich in der Renaissance und im Barock entwickelten und im Klassizismus höchste Vollendung fanden. Rund- und Spitzgauben (7 und 8) sind auch heute noch in vielen Varianten anzutreffen.




Abb. 1

Proportionen

Gestaltungsregeln sind in sich ein Widerspruch, da sich Gestaltung immer in Abhängigkeit zur individuellen Auffassung des Gestalters, des allgemeinen Zeitgeistes und der Architekturentwicklung abbildet. Dennoch sind Grundübereinkünfte abzuleiten aus dem handwerklichen Bereich, den Gegebenheiten des Werkstoffes, der Proportionswirkung und der Massenverteilung. Immer sind natürlich auch regionaltypische Gegebenheiten mitzubeachten. Die Abb. 2 zeigt in einem schematischen Querschnitt die unterschiedlichen Bezeichnungen von Höhen. Die Abb. 3 zeigt schematisch am Beispiel einer Satteldachgaube unterschiedliche Gaubenspiegel, wobei die beiden mittleren Ansichten als gut proportioniert gelten mögen. Die Denkmalpflege legt beim nachträglichen Einbau von Gauben in Dachflächen Wert darauf, dass die Spiegelflächen möglichst klein gehalten werden. Bei einer bewusst dargestellten Identität von Grundriss und Fassade/Dachfläche wird die Axialität der Fenster und der Gauben eine Rolle spielen. Wird der Gaube lediglich eine untergeordnete Rolle als Belichtungselement zugewiesen, rückt der gestalterische Aspekt in den Hintergrund. Die Abb. 4 zeigt die Wirkung der Fenster und Gaubenachsen in der Dachfläche. Insbesondere im nachträglichen Dachgeschossausbau in der Denkmalsubstanz, im Denkmalensemble oder bei anderen Sanierungsmaßnahmen sind diese Proportionsansätze und Massenverteilungen auf dem Dach von Bedeutung - aber auch manchem neuen Dach täte diese Betrachtungsweise gut.

Die Abb. 5 zeigt exemplarisch einige Maßbeziehungen zu An- und Abschlüssen in der Gaubenanordnung in der Dachfläche. Ein Mansarddach ist gestalterisch ausgewogener, wenn Gaubendachanschlüsse mit einem Abstand von mindestens einer Dachziegelreihe oder im Biberdach mit dem Abstand der Breite eines Kronengebindes zum Mansarddachknick ausgeführt werden. Aus der Musterbauordnung können Abstände der Gauben zum Ortgang und zu Brandwänden bzw. Brandwandabschlüssen über Dach von ca. 1,25 m abgeleitet werden. Aus ergonomischen Gründen sollte der lichte Abstand zwischen zwei Gaubenwangen mindestens 0,80 m betragen. Kleinere Abstände erschweren das Eindecken und auch die spätere Inspektion und Wartung. Der Abstand zwischen der unteren Begrenzung des Gaubenspiegels bis zur Außenkante Fassade sollte 1 m nicht überschreiten. Dieses Maß findet sich in vielen Denkmalbereichssatzungen/ Gestaltungssatzungen und sorgt für die optische Anbindung der Gaube an die Fassade. Zu hoch gesetzte Gauben wirken verloren in der Dachfläche.


Abb. 2


Abb. 3


Abb. 4


Abb. 5

Die Schleppdachgaube

Diese zählt zu den einfachsten und ältesten Gaubenformen. Mit ihr lassen sich durch relativ geringen Aufwand am meisten Licht und Wohnraum schaffen. Damit die Gaubendachneigung nicht zu flach wird und ohne allzu großen Aufwand mit dem Bedachungsmaterial der Hauptdachfläche bedeckt werden kann, sollte die Hauptdachfläche ausreichend steil sein. Falls die Regeldachneigung im Schleppdachgaubenbereich dennoch unterschritten wird, sind Zusatzmaßnahmen gemäß Fachregel erforderlich (s. Abb. 6). Immer wieder sieht man Schleppdachgauben, deren oberer Dachanschluss unmittelbar unter der Firstabdeckung beginnt. Auch hier gilt die Empfehlung, ein bis zwei Ziegelreihen in der Hauptdachfläche zwischen First und Gaubendachanschluss vorzusehen. Neben einer ausgewogenen Gestaltung ist hier auch die Regensicherheit besser zu gewährleisten.


Abb. 6

Die Fledermausgaube

Anders als Gauben, die aus ebenen Flächen zusammengesetzt sind, stellen Fledermausgauben oder Ochsenaugen eine Dachwölbung dar, die unter Beachtung bestimmter Maßverhältnisse mit dem Bedachungsmaterial der Hauptdachfläche durchgedeckt werden kann. Ursprünglich stammt diese Gaubenform aus dem Stroh- oder Reetdach und diente von jeher untergeordneten Belichtungszwecken für Speicher, Stallungen usw. Früher wurde das Strohdach horizontal in der Breite der vorgesehenen Gaube durchgeschnitten und ein Wagenrad in der Mitte als Abstandshalter zwischengeschoben, sodass die typisch geschweifte Gaubenform, die in der Gesamtwirkung wie ein Napoleonhut aussieht, entstand. Mit Ziegeln, Hohlpfannen und Bibern wurden diese Formen nachgezeichnet. Die Abb. 7 zeigt grundsätzlich die Stirnbogenkonstruktionen der Fledermausgaube in Abhängigkeit zum Eindeckmaterial. In der Tabelle sind Zwischenwerte interpoliert, damit nicht die geregelte Langeweile ausbricht und nur noch Proportionsverhältnisse 8:1 oder 5:1 verwendet werden. Die Abb. 8 zeigt einige Maßverhältnisse für Fledermausgauben. Bei Neubauten, die häufig mit Walmdächern versehen sind, ist auffällig, dass aus Nutzflächengewinn Fledermausgauben ausgeführt werden, die annähernd von Grat zu Grat geführt sind. Dies wirkt nicht nur klotzig, sondern führt auch zu einer nicht regensicheren Ausführung der Grate, da aus dem Gaubenschweif das Regenwasser gegen die besonders gefährdeten Grate geführt wird. Vorgeschlagen wird ein mindestens 1 m breiter Abstand zum Grat. Abb. 9 stellt bei der Biberdoppeldeckung die Kronengebinde als Firstabschluss und unteren Gaubenspiegelanschluss dar. Diese Lösung ist handwerklich einwandfrei, wird aber regional unterschiedlich mit oder ohne Kronengebinde ausgeführt.


Abb. 7

Abb. 9

Abb. 8

Die Satteldachgaube

Die Namensvielfalt Satteldachgaube, Walmdachgaube, Giebeldachgaube, Dachhäuschen oder Friesengaube deutet darauf hin, dass diese Gaubenart weit verbreitet ist und als traditioneller Dachaufbau oft auf historischen und denkmalgeschützten Gebäuden zu finden ist. Setzt sich die Gebäudewand in der Gaubenfront fort, spricht man von Zwerghäusern oder Lukarnen. Letztere sind als Dacherker häufig auf Renaissancebauten anzutreffen. Idealerweise hat die Satteldachgaube nur ein Fenster. Horizontal orientierte, mehrfenstrige Dachgauben wirken meistens zu breit auf der Dachfläche und sind häufig nur mit mehreren nebeneinander gestellten Satteldächern und entsprechenden Dachgräben zu überdecken. Noch unproportionierter wirken flachgeneigte Satteldachbedeckungen. Die Gaubendachneigung sollte sich möglichst an der Neigung der Hauptdachfläche orientieren.


Die Spitzgaube

Spitzgauben oder Dreiecksgauben wurden früher als kleine Belichtungs- und Belüftungsöffnungen am geneigten Dach genutzt. Auf Sakralbauten und in der Denkmalpflege findet man sie auch mit abfallendem First. Als architektonische Gestaltungsvariante und meist mit größeren Abmessungen werden sie bei Neubauten eingesetzt. Sie sollten nicht überdimensioniert sein, sich in das Hauptdach einfügen und ein ausgewogenes Verhältnis von Stirnbreite zu Stirnhöhe aufweisen. Die Gaubendachneigung sollte in etwa der der Hauptdachfläche entsprechen.


Fazit

Ehemals kleinteilige Belüftungs- und Belichtungselemente in unterschiedlichsten Gaubenformen werden heute im modernen Dachgeschossausbau, teilweise ohne Bezug zur Gebäudeproportion, zu Massen- und Flächenverhältnissen, eingesetzt. Dieser Beitrag versucht, einige gestalterische Grundübereinkünfte, die sich handwerklich und bauhistorisch entwickelten, darzustellen und Maßempfehlungen weiterzugeben, die bei der Anordnung von Gauben hilfreich sein könnten.